MAKING CULTURE – Innovation by Experiment

Der Begriff „Making Culture“ ist hier im doppelten Sinne zu verstehen. Auf der einen Seite Kultur zu machen und auch Kulturschaffenden in Coburg einen Raum zu bieten, auf der anderen Seite aber auch die Kultur der Macher in einem einzigartigen Exempel in Oberfranken zu etablieren. Die Kultur der Macher bzw. die sogenannte „Maker“ Szene ist eine Erweiterung der Do-it-Yourself (DIY) Bewegung, die Bürgern, Hobbyhandwerkern und Machern die Möglichkeit bietet sich mit modernen aber auch traditionellen Möglichkeiten des Selberentwickelns miteinander zu vernetzen und innovative Ideen gemeinsam voran zu treiben. Im Vergleich zu den USA oder Großbritannien breitet sich die Maker-Bewegung langsam auch in Deutschland aus.

In Coburg wird bereits seit Jahrhunderten Kultur gemacht. Seit einigen Jahren gehört auch die einzigartige Designausbildung an der Hochschule zur kulturellen Tradition und zu einem prägenden Bild der Region Oberfrankens.
Der Designberuf ist nicht nur prädestiniert für eine Kultur des Machens, sondern auch für eine Kultur des Zusammenführens und damit wichtiger Treiber für das sogenannte soziale Kapital das in unserer Gesellschaft und vor allem in der Region Oberfranken schlummert. Auch spezielle Fertigkeiten des regionalen Handwerkes zählen zu diesem sozialen Kapital. Dieses kulturelle Wissen oder auch „Heritage of Knowledge“ gerät aufgrund des demografischen Wandels und des technischen Fortschritts immer mehr in Vergessenheit. Gleichzeitig sind auch Gegenbewegungen in der Gesellschaft zu spüren, die versuchen, handwerkliche Traditionen in die moderne zu übertragen. Die Sehnsucht nach Wahrung von Tradition und Wissen sind international und interkulturell gegeben, denn Dinge machen, gestalten und Verantwortung übernehmen ist ein einfacher und positiver Grundsatz für eine gesellschaftliche Teilhabe. Jeder Mensch hat Fähigkeiten und Ressourcen, die ein soziales Kapital ausmachen und der regionalen Wirtschaft zu entsprechendem Umbruch verhelfen können. Wie kann Design eine Kultur des Machens entwickeln, der Bürgern und Bürgerinnen einen nachhaltigen und selbstverantwortlichen Raum bietet? Gestaltung bedeutet nicht nur Lösungen für Probleme zu finden, sondern auch für eine Gesellschaft zu designen.

Als offene Forschungs- und Experimentierplattform steht „MakingCulture“ im Sinne einer demokratischen, aktiven Innovations- und Experimentierkultur allen interessierten Bürgern, Unternehmen und Institutionen zur Verfügung. Die Verbindung von Kulturzentrum und offener Forschungs- und Experimentierplattform definiert ein einzigartiges Projekt mit Strahlkraft weit über die Region hinaus. Über die Hochschule und das Forschungsprojekt „Innovation by Experiment“ ist „MakingCulture“ bereits jetzt international vernetzt (Aarhus, Graz). Neu ist dabei, die inzwischen von namhaften Unternehmen als bedeutendes kreatives Potenzial angesehene „Makerbewegung“ mit Kultur, Wissenschaftund dem Museum mit historischem Hintergrund zu verbinden und in Coburg zu verorten.

MakingCulture bietet einen geschützten Raum – frei von der Angst vor dem Scheitern oder der permanenten Bewertung. Der experimentelle Prozess kann zu echten Innovationen führen. In jedem Fall wirkt er sich positiv auf die Haltung der Mitarbeiter hinsichtlich des Umgangs mit Offenheit und Kreativität aus. Die Fähigkeiten zu kreativem Denken werden dadurch vermittelt und trainiert.

So kann eine Experimentierkultur entstehen und wachsen, die den Anforderungen einer digitalen Gesellschaft 4.0 entspricht und langfristig dem Unternehmen wesentliche ungenutzte Potentiale zugänglich macht. Dieser Ansatz erweitert den methodischen Innovationsprozess erheblich und nachhaltig. Als Plattform für experimentelle Innovationskultur bietet MakingCulture Workshops und Netzwerke, die auf ungewohnte und unbekannte Disziplinen und Fertigkeiten zugreifen. Digitale und zwischenmenschliche Vernetzung spielen dabei eine wesentliche Rolle.